22.12.2010

„Rund um das Dom-Karree tut sich viel“

Alexander Lammerting im Gespräch mit der Kölnischen Rundschau (22.12.2010)

Herr Lammerting im Interview

Herr Lammerting, wie ist die Gruppe heute aufgestellt. Hat die Krise sie getroffen?
Wohl kein Unternehmen kann von sich sagen, dass es nicht betroffen war. Wir haben die Krise aber sehr gut gemeistert. Und sie hatte auch ein Gutes, denn sie hat die Akzeptanz gegenüber Veränderungen, die ich mir vorgenommen hatte, größer gemacht.

Welche Art Veränderungen?
Unser Unternehmen war in der Vergangenheit stark auf den Neubau von Büro- und Einzelhandelsimmobilien sowie die Entwicklung von Hotels fokussiert. Meine Zielrichtung war es immer, auch den Wohnungsbau abzudecken, für den wir inzwischen einen eigenen Geschäftsbereich gebildet haben. In Folge der Krise sind Wohnimmobilien noch stärker als Anlageobjekte ins Blickfeld geraten. Gerade erst haben wir in Braunsfeld ein Projektentwicklungs-Grundstück veräußert, auf dem Wohnungsbau geplant ist.

Was soll dort entstehen?
Der Käufer, die Max-Wohnbauten GmbH, wird zwischen der Max-Wallraff-Straße und dem Birkenwäldchen am Bahndamm einen Wohnpark mit hundert Eigentumswohnungen errichten. Wir wollten das ursprünglich selber machen und hatten die fertige Projektentwicklung bereits in der Schublade, aber dann kamen einfach zu gute Kaufangebote, was sicherlich auch mit der hohen Nachfrage in Köln und der exzellenten Lage Wohnlage in Braunsfeld zusammenhängt.

Sie haben sich vom Domkarree mit Dom-Hotel und Blau-Gold-Haus getrennt. War der Verkauf der Krise geschuldet?_
Das Angebot war ebenfalls gut. Außerdem ist die Weiterentwicklung des Domkarrees sehr kapitalintensiv. Wenn wir als mittelständisches Unternehmen einen Großteil unseres Kapitals an diesem einen Standort gebunden hätten, dann hätten wir unsere Möglichkeiten, auch anderswo tätig zu werden, eingeschränkt. Deshalb haben wir einen Investor gesucht, der extrem langfristig denkt. Mit der Bayerischen Versorgungskammer haben wir den auch gefunden. Wichtig ist: Wir sind als lokales Unternehmen weiterhin der Projektentwickler, und auch unser Betreibervertrag, der über 20 Jahre läuft, garantiert Kontinuität.

Wie weit ist der Umbau?
Wir haben das Blau-Gold-Haus inzwischen komplett denkmalschutzgerecht saniert und schaffen 41 Suiten und Luxuszimmer für das Dom-Hotel, die Anfang 2011 fertig gestellt werden. Im Hotel bringen wir anschließend alle Zimmer auf internationalen Grand-Hotel-Standard. Das Gastronomiekonzept wird komplett überarbeitet, der Tagungs- und Bankettbereich erweitert und ein neuer Fitness- und Spa-Bereich eingerichtet. Da tut sich viel.


Zum Domkarree gehört auch die Baulücke am Wallrafplatz, in dem früher die Kristallpassage untergebracht war. Was haben Sie damit vor?
Über die Entwicklung dieser denkmalgeschützten Immobilie führen wir zurzeit sehr gute Gespräche mit der Stadtkonservatorin. Wir möchten an diesem Standort ein modernes Geschäftshaus entwickeln und würden gerne die gesamte Baulücke schließen. Diesbezüglich sind wir in Abstimmung mit den Nachbarn einer Lösung sehr nahe. Und im Zuge dieses Bauprojekts wollen wir auch die Immobile Am Hof 1 aufstocken, in dem sich das Geschäft Nespresso befindet. Dann haben wir wieder den geschlossenen Block.

Ihnen gehört am Roncalliplatz, vis-à-vis- dem Dom auch das Carlton-Haus und der Gebäudekomplex dahinter. Machen Sie daraus ein Hotel?
Bis Mitte nächsten Jahres sind die Gebäude an den WDR vermietet. Wir optimieren gerade unsere Planungsalternativen. Es gibt sowohl einen Interessenten, der sich für die Immobilie als Bürostandort interessiert, als auch einen, der dort ein Hotel eröffnen möchte. Beides ist möglich, und in einem halben Jahr werden wir auch wissen, in welche Richtung unsere Projektentwicklung gehen wird.

Gibt es weitere Hotelprojekte?
Wir planen ein neues 200-Zimmer-Hotel in bester Kölner Citylage. Wir sind dort Entwickler und Bauherr, planen aber einen Verkauf nach der Fertigstellung. Den Bauantrag wollen wir in sechs Wochen einreichen. Mehr kann ich darüber noch nicht sagen, Näheres werden wir im neuen Jahr gemeinsam mit dem Endinvestor bekannt geben.

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Neubauprojekt Josef-Lammerting-Allee 1 - neben anderen Nutzern wird auch die LIG künftig hier ihren Firmensitz haben.

Wie entwickelt sich der Technologie-Park Braunsfeld?
Den entwickeln wir kontinuierlich weiter. Dort befinden sich ja die meisten unserer Vorratsflächen. Auf Vorrat bauen wir aber nicht mehr, denn die Nachfrage nach Büroflächen wird immer spezifischer. Aktuelles Projekt im Park ist die „Josef-Lammerting-Allee 1“. Hier errichten wir unsere neue Firmenzentrale. Das Gebäude wird allerdings nicht nur von uns genutzt. Die gesamte Projektentwicklung umfasst 8000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Nicht weit davon entfernt planen wir außerdem den Bau einer Kindertagesstätte.

Dann gibt es auf dem Gebiet der einstigen Deponie auch noch den Gewerbepark Poll...
…den ich unbedingt zum Abschluss bringen möchte. Wir hatten für das Eckgrundstück ein Möbelhaus vorgeschlagen, und zwar nicht so einen typischen Möbelkasten, sondern eine städtebaulich attraktive straßenbegleitende Bebauung. Nun hat die Stadt für das Gebiet jedoch eine Veränderungssperre verhängt, was ich sehr bedauere.

Über wie viele Grundstücke verfügen Sie in Köln? Und wie viele Projekte verfolgen Sie aktuell?
Uns gehören rund 80.000 Quadratmeter Grundstücksfläche, darüber hinaus verwalten wir knapp 200.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Wir haben derzeit 14 Projektentwicklungen in der Pipeline, die Hälfte davon wird gerade realisiert oder steht kurz davor. Ich will unser Tätigkeitsfeld künftig stärker auch auf die Region Bonn und Aachen und das Ruhrgebiet ausweiten, aber wir bleiben Köln treu.

Wenn Sie nun die Geschäfte führen, hat sich Ihr Vater komplett zurückgezogen?
Nein, er ist auch weiterhin beratend im Unternehmen tätig, und wir stehen immer im engen Austausch.

Was sagt er denn dazu, dass Sie dem Unternehmen eine andere Richtung geben?
Es ist ja keine andere Richtung, sondern eine Weiterentwicklung. Und ganz ehrlich: Wir haben uns nicht ein einziges Mal darüber gestritten. Ich glaube, uns gelingt ein Musterbeispiel des Generationswechsels.

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