30.09.2010

„Wir prüfen auch Projekte in Bonn oder Aachen“

Alexander Lammerting, Geschäftsführer der Lammerting Immobilien GmbH im Gespräch mit der Immobilien Zeitung

(Immobilien Zeitung vom 30.09.2010)

Immobilien Zeitung: Herr Lammerting, seit kurzem sind Sie Geschäftsführer der Lammerting Immobilien GmbH in Köln. Bislang sind Sie in dem Unternehmen, das in den letzten Jahrzehnten maßgeblich von Ihrem Vater gelenkt wurde, nicht so in Erscheinung getreten.

Alexander Lammerting: In der Tat. Nach meinem Studium an der European Business School bin ich für Hochtief Projektentwicklung nach Osteuropa gegangen. Als ich die Schwelle des 30. Geburtstags überschritten hatte, habe ich mich jedoch entschieden, mich langsam niederzulassen und wieder in meine Heimatstadt zurückzukehren. Zudem wollte ich in einem Unternehmen arbeiten, das entscheidungsfreudiger ist, nämlich im eigenen Unternehmen, als Geschäftsführer. In dieser Funktion bin ich jetzt seit März bei der Lammerting Immobilien GmbH.

IZ: Welche Aufgabe hat die Lammerting Immobilien GmbH innerhalb der Lammerting Immobilien Gruppe (LIG)?

Lammerting: Die Lammerting Immobilien GmbH ist die operative Einheit der LIG. Letztere ist gewissermaßen die Klammer, mit der alle Unternehmen der Gruppe zusammengefasst werden. Die Lammerting Immobilien GmbH wiederum gliedert sich in die drei Bereiche Commercial, Hotel und Residential.

IZ: Bis jetzt ist die LIG ja hauptsächlich durch ihre Technologiepark-Aktivitäten bekannt. Hotel und auch Residential – also Wohnimmobilien – sind relativ neu?

Lammerting: Nun, was den Hotelbereich angeht: Wir waren jahrelang Eigentümer des Domhotels in Köln. Das haben wir dieses Jahr erfolgreich platziert, sind dort aber weiterhin Betreiber und auch Entwickler der Neupositionierung des Hotels. Aktuell entstehen im Blau-Gold-Haus in direkter Nachbarschaft zum Domhotel die 42 exklusivsten Zimmer und Suiten von Köln – mit dem spektakulärsten Blick auf den Dom. Das Blau-Gold-Haus wurde komplett entkernt und in Absprache mit dem Denkmalamt und der Stadt werden wir die ursprüngliche Fassade von 1952 wieder herstellen.

Im Domhotel bringen wir anschließend alle Zimmer auf internationalen Grandhotel-Standard. Zudem wird das Gastronomiekonzept komplett überarbeitet, der Tagungs- und Banguettes-Bereich erweitert und ein neuer Fitness- und Spa-Bereich eingerichtet.

IZ: Gibt es noch weitere Hotelprojekte, oder besteht der Hotelbereich Ihres Unternehmens nur aus dem einen?

Lammerting:  Wir stehen kurz vor Baubeginn eines neuen 200-Zimmer-Hotels in bester Kölner Citylage. Dort sind wir Entwickler und Bauherr, planen aber einen Exit nach der Fertigstellung.

IZ: Und was haben Sie im neu gegründeten Wohnbereich in petto?

Lammerting: Das größte unserer Projekte ist eine Entwicklung in Braunsfeld, einem der wohl gefragtesten Stadtteile Kölns zum Wohnen. Hier entstehen mit einem Investitionsvolumen von rund 25 Mio. Euro Punkthäuser, also Immobilien mit einem Treppenhaus in der Mitte und maximal vier Wohneinheiten pro Etage.

Das Grundstück misst rund 5.000 qm, was eine sehr aufgelockerte Bebauung ermöglicht. Wir rechnen hier mit einer großen Nachfrage. Zum einen, weil die nahegelegene Aachener Straße sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat. Hier ist ein toller Gastronomie- und Einzelhandelsmix entstanden. Auch die Verkehrsanbindung ist optimal und der Stadtwald ist nur wenige Gehminuten entfernt. Zum anderen ist die Kölner Uni ganz in der Nähe. Das hat uns dazu bewogen, in unserem Projekt auch kleinere Wohneinheiten zu realisieren.

IZ: Wollen Sie den Wohnbereich noch ausbauen?

Lammerting: Wir haben weitere Projekte in der Prüfung. Sowohl im Residenz-Segment als auch im reinen Wohnungsbau.

IZ: Ihr Unternehmen bleibt aber mit seinen Projekten Köln treu?

Lammerting: Ja, alle Wohnungsbauvorhaben befinden sich in Köln und der Region.

IZ: Und den Vertrieb übernehmen Sie selbst?

Lammerting: Die Vermarktung erfolgt über drei Wege: Entweder als reine Vermarktung über unser Haus, als Abverkauf im Block, oder innerhalb der Bauphase als Gesamtpaket an einen Endinvestor. Wir sind Ansprechpartner für den Kunden, nehmen aber auch Maklerunternehmen zu Hilfe.

IZ: Bleibt noch der Bürobereich. Der spielte sich in den vergangenen Jahren ja praktisch ausschließlich auf dem Areal Ihrer Technologieparks ab.

Lammerting: Wir betreiben auch weiterhin die klassische Büroentwicklung, sind dort aber künftig stark nachfrageorientiert. Unser Grundstücks-Portfolio im Technologiepark bietet noch reichlich Möglichkeiten, mieterspezifisch zu entwickeln. Darüber hinaus entwickele ich eine Strategie, mit der wir gezielt eine bestimmte Mietergruppe ansprechen. Der Bürovermietungsumsatz in Köln ist seit Jahren weitgehend stabil. Mittlerweile sinken aber die Fertigstellungsquoten. Wer also nichts aus dem Bestand mieten will, der findet bei uns ein spezielles Zielgruppen-Konzept. Ein cleveres und nachvollziehbares Konzept macht im Übrigen auch die Finanzierung bei den Banken leichter. Und wenn ich einen größeren Teil finanzieren kann, habe ich die Möglichkeit, unser Eigenkapital selektiver einzusetzen.

Mit dieser Strategie wird auch der Ausbau des Technologiepark Köln weiter vorangetrieben. Darüber hinaus suchen wir aber auch Grundstücke für Entwicklungen in zentralen Kölner Lagen. Das kann sowohl für einen Neubau als auch für eine Revitalisierung sein.

Außerdem entwickeln wir gerade das Projekt Josef-Lammerting-Allee 1 mit 3.400 qm Büro- und 2.500 qm Einzelhandelsfläche. Bereits jetzt – etwa ein halbes Jahr vor Baubeginn – haben wir für mehr als die Hälfte der Flächen Nutzer gefunden. Der Architekturwettbewerb für das Projekt ist abgeschlossen und der Architekt hat sich eine wirklich hochwertige Fassade einfallen lassen, was die Baukosten wohl auf 1.800 Euro/qm treiben wird.

Darüber hinaus haben wir eine Highstreet-Entwicklung im Einzelhandelssegment: Derzeit projektieren wir am Wallraffplatz 6, direkt am Eingang zur Hohen Straße eine rund 1.000 qm große Handelsimmobilie über mehrere Etagen. Zudem bauen wir unser Fachmarktzentrum in Poll weiter aus. Dort befindet sich ja auch das Car Center Cologne mit der zentralen Kfz-Zulassungsstelle der Stadt Köln. Hier sehe ich vor allem weitere Unternehmen aus dem Servicebereich oder der Gastronomie als Nutzer.

Und schließlich sind wir noch in der Planung für ein rund 37.000 qm großes Logistikobjekt, z.T. auf eigenem Grund. Aber dazu kann ich im Moment noch nicht mehr sagen.

IZ: Wie viele Projekte haben Sie denn insgesamt?

Lammerting: Aktuell befinden sich 14 Projekte in oder kurz vor der Realisierung.

IZ: Und all das wollen Sie alleine stemmen?

Lammerting: Wer sich unseren Track-Record ansieht, weiß, dass wir das stemmen können. Wir stehen aber auch Joint Ventures mittlerweile offen gegenüber, wobei unser Fokus dabei eher darauf liegt, unser Potential in Fremdprojekte einzubringen. Wir führen dazu auch schon entsprechende Gespräche. Hierbei nutzt uns unser bundesweites und internationales Netzwerk. Die LIG war es übrigens ja auch, die als einer der ersten den Closed Shop“ Köln mit aufgebrochen hat mit dem großen LHI-Deal, der eine Volumen von 225 Mio. Euro hatte. Unser über die Jahre aufgebautes Netzwerk nutzt uns heute sehr.

IZ: Insgesamt bleiben Sie aber ausschließlich in Köln aktiv?

Lammerting: Wir bleiben der Region treu. Das war in der Vergangenheit immer unsere Stärke und wird es auch in Zukunft sein, zumal internationale Investoren die Vorzüge regionaler Partner immer mehr zu schätzen wissen..

IZ: Und wo sehen Sie Ihr Unternehmen langfristig?

Lammerting: Die Sub-Bereiche Commercial, Hotel, Residential mit ihren spezifischen Kompetenzen werden sich in den nächsten Jahren weiter etablieren. Für alle Projektentwicklungen sollen Möglichkeiten zur Realisierung geschaffen werden, ohne dass ein „Muss“ im Vordergrund steht. Das „Rad“, das wir drehen wollen, soll insgesamt nicht größer werden. Wir suchen uns lieber Partner, die uns unterstützen. Allerdings werden wir die Kernkompetenzen immer im Unternehmen halten.

IZ: Hat die LIG in der zurückliegenden Krise eigentlich Federn lassen müssen?

Lammerting: Ich will es einmal so formulieren: Die Krise hat die Neuausrichtung der LIG unterstützt, aber sie hat die Neuausrichtung nicht nötig gemacht. Sie hat uns geholfen, Strukturen zu überdenken, der Entwicklung des Marktes anzupassen und uns am Markt differenziert zu präsentieren. So haben wir beispielsweise das technische Facility Management und das Portfoliomanagement zurückgefahren. Auf dem Peak hatten wir 500.000 qm im Management. Jetzt sind es noch knapp 200.000 qm – alles in Köln und Umgebung.

Und wir sind von unserer starken Fokussierung auf die Technologieparks abgekommen. Mittlerweile überprüfen wir auch Projekte in Aachen und Bonn. Die Neuausrichtung des Unternehmens wird uns jedoch nicht daran hindern, die bestehenden guten Netzwerke für neue Aufgaben weiter zu nutzen.

IZ: Herr Lammerting, wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Thorsten-Phillip Karl.